Eine Jüdin im Pariser Exil

v.l.: Shila Behjat, Hannah-Arendt-Biograf Thomas Meyer, Schauspielerin Andrea Casabianchi, Regisseur Christian Bettges, Producerin Nadja Frenz und Wolfgang Bergmann, Geschäftsführer ARTE Deutschland © Bettina Melzer
Am 4. Dezember jährt sich zum 50. Mal der Todestag Hannah Arendts. Die 1930er Jahre verbrachte sie auf der Flucht vor den Nationalsozialisten im Pariser Exil. Dort rettete sie Kindern und Jugendlichen das Leben, indem sie ihnen die Flucht nach Palästina ermöglichte. Arendts Analysen des Antisemitismus, ihre Forderung nach dem Recht aller Rechte zu haben, wie auch ihre Auseinandersetzung mit der Assimilation von Juden an die Mehrheitsgesellschaft gründen in diesem Lebensabschnitt. Ebenso bildete sich ihre pro-zionistische Sicht auf die Gründung Israels heraus, die quer zu Ansichten anderer Strömungen der Bewegung stand.

Street Art zum Shoa-Gedenken im Pariser Stadtteil Marais © Thomas Bresinsky
Die zum Bestseller avancierte Biografie von Thomas Meyer hat Arendts Zeit in Paris erstmals gründlich erforscht. Mit Thomas Meyer begibt sich der Film von Christian Bettges zu den Wirkungsstätten der politischen Denkerin – so nach Gurs, einem Internierungslager im Süden Frankreichs. Nach Kriegsbeginn wurden hier auch deutsche Juden interniert, die sich in Frankreich aufhielten. In einem kleinen Zeitfenster wurden Häftlinge entlassen, nur knapp entging Arendt der Deportation nach Auschwitz-Birkenau.

Hannah-Arendt-Biograf Thomas Meyer im Französischen Nationalarchiv © Thomas Bresinsky
Erst in ihrer neuen Heimat New York erfuhr Hannah Arendt vom Holocaust und verfasste ihre eindrucksvollen Thesen zu totaler Herrschaft als Praxis vollständiger Entmenschlichung.


Die Philosophin Hannah Arendt, fotografiert von Fred Stein © Fred Stein Archiv
Neben Thomas Meyer kommen in der lebendigen Annährung an diese Jahre ihrer Biographie der Philosoph Omri Boehm, die Adorno-Preisträgerin Seyla Benhabib, die französische Arendt-Expertin Martine Leibovici und Marina Touillez zu Wort, deren Darstellung von Arendts Pariser Exil-Umfeld in Frankreich intensiv diskutiert wurde.



v.l.: Martine Leibovic © Thomas Bresinsky, Thomas Meyer und Peter Stein, Leiter Fred Stein Archiv © Jan Kerhat, Marina Touilliez © Thomas Bresinsky
Produktionsinformationen
„Hannah Arendt – Eine Jüdin im Pariser Exil“ ist eine Produktion der Vincent Productions GmbH. Producerin: Nadja Frenz. Redaktion: Christopher Janssen (ZDF). Der Film wurde gefördert mit Mitteln der nordmedia – Film- und Mediengesellschaft Niedersachsen/Bremen. ARTE zeigt die Dokumentation am 10. Dezember um 22.05 Uhr; sie ist bis 24 Februar 2026 bei arte.tv verfügbar.
