Preisverleihung: DFKF 2026

Am Abend wurden der Caligari FilmBühne Wiesbaden die Preise des 22. Deutschen FernsehKrimi-Festivals verliehen. Der Deutsche FernsehKrimi-Preis 2026 ging an „ACHT“ (ORF/ZDF) - ein Landkrimi von Marie Kreutzer, die auch das Drehbuch verfasste. Das Urteil der Jury: „So schnörkellos der Titel, so präzise durchkomponiert und gleichzeitig lebendig ist dieses Glanzstück von einem Krimi von der ersten bis zur letzten Minute. Relevante Themen wie demokratiefeindliche Verschwörungsideologie und toxische Männlichkeit werden hier nicht zu einem Vehikel sondern komplettieren das kongeniale Zusammenspiel der Darsteller, die präzise Ästhetik und die nuancierte Dramaturgie zu einem besonderen Filmerlebnis. Die Gedanken sind frei, die Emotionen und die Wucht der Geschichte zu vollenden, ohne dabei zu vergessen, das Publikum im besten Sinne zu unterhalten.“

Gewinner*innen beim 22. Deutschen FernsehKrimi-Festival

Cali­ga­ri Film­Büh­ne, Jurys 2026, Fes­ti­val­lei­te­rin Catrin Ehr­lich © Jason Sellers/Deutsches Fern­seh­Kri­mi-Fes­ti­val

„ACHT“ erhielt zudem einen Son­der­preis für das bes­te Schau­spiel. Aus­ge­zeich­net wur­den Tho­mas Prenn und Regi­na Frit­sch, die mit ihrem redu­zier­ten Spiel einen regel­rech­ten Sog kre­ierten, so die Jury: „Wäh­rend die bei­den Figu­ren einer kla­ren Hier­ar­chie unter­lie­gen, agie­ren die Spie­len­den auf Augen­hö­he, dass man zu jedem Zeit­punkt den Respekt zwi­schen den bei­den spürt. Regi­na Frit­sch glänzt als Chef­inspek­to­rin Gey­er mit poin­tier­ter Auto­ri­tät, die sich schließ­lich von ihrem Adju­tan­ten mit ihrem eige­nen Gewis­sen kon­fron­tiert sieht. Dank Tho­mas Prenns prä­zi­sem Spiel, das Inne­re auf mini­ma­lis­ti­sche Art und Wei­se nach außen zu keh­ren, wird die­ses Wech­sel­spiel der bei­den zu einem dar­stel­le­ri­schen Hoch­ge­nuss.“

Pro­du­zent Alex­an­der Glehr und ZDF-Redak­teur Dani­el Blum © Jason Sellers/Deutsches Fern­seh­Kri­mi-Fes­ti­val

Ein wei­te­rer Son­der­preis ging nach Öster­reich, an „EIERKRATZ-KOMPLOTT – EIN STINATZ-KRIMI“. Regie: Dani­el Gero­ni­mo Pro­chas­ka, Buch: Ste­fan Haf­ner, Tho­mas Wein­gart­ner nach dem gleich­na­mi­gen Roman von Tho­mas Stip­sits. Der Jury gefiel: „Eier­kratz-Kom­plott“ lädt uns an einen Ort ein, den wir so noch nicht kann­ten, doch  jetzt defi­ni­tiv nicht mehr mis­sen möch­ten. Vor allem dank eines eben­so warm­her­zi­gen, wie ein­zig­ar­ti­gen Ensem­bles haben wir uns von der ers­ten Minu­te an ver­liebt in eine Welt, in der das Aus­bla­sen von Eiern eben­so exis­ten­zi­ell ist, wie ein Toter auf der Son­nen­bank. Aber auch die ein­zig­ar­ti­ge Kame­ra, die lie­be­vol­le Aus­stat­tung, der über­ra­schen­de Schnitt und die poin­tier­te Musik zei­gen uns, was alles mög­lich ist, wenn man Humor in das Kri­mi-Gen­re Ein­zug hal­ten lässt.“

Kom­po­nist Tho­mas Jar­mer und Pro­du­zen­tin Gudu­la von Eysmondt, Jury Deni­se Lan­gen­han und Tijan Nije © Jason Sellers/DFKF

Auch das neue Ermitt­ler­team im Frank­fur­ter Tat­ort hat die Jury über­zeugt. Mit einem Son­der­preis wür­dig­te sie Edin Has­a­no­vić und Meli­ka Forou­tan für ihr her­aus­ra­gen­des Zusam­men­spiel: „Meli­ka Forou­tan beein­druckt mit einer ele­gan­ten Prä­senz in ihrer Sou­ve­rä­ni­tät, sowohl inner­halb der Figur als auch im Spiel selbst. Ohne jede Eitel­keit eröff­net sie der Ver­letz­lich­keit ihres Gegen­übers einen Schutz­raum. Die Wucht in Edin Has­a­no­vićs kom­pro­miss­lo­sem Spiel kon­fron­tiert uns mit dem Schmerz sei­ner Figur Ham­za und lässt uns kei­ne Chan­ce, dem zu ent­kom­men. In die­ser Kom­bi­na­ti­on erschaf­fen sie in den kam­mer­spiel­ar­tig anmu­ten­den Sze­nen im Kel­ler eine elek­tri­sie­ren­de Leben­dig­keit, die gleich­sam fes­selt und berührt.“

Als Kri­mi­se­rie des Jah­res zeich­ne­te die Stu­die­ren­den­ju­ry „Stern­stun­de der Mör­der“ aus, eine deutsch-öster­rei­chisch-tsche­chi­sche Kopro­duk­ti­on. Regie: Chris­to­pher Schier, Buch: Klaus Bur­ck – nach dem gleich­na­mi­gen Roman von Pavel Kohout. Der Serie gelin­ge es, Natio­nal­so­zia­lis­mus und Zwei­ten Welt­krieg aus neu­er Per­spek­ti­ve zu erzäh­len. In der Begrün­dung heißt es: „STERNSTUNDE DER MÖRDER fängt uns mit aus­drucks­star­ken Bil­dern ein, kon­trast­reich geleuch­tet, krea­tiv auf­ge­löst, und wirft uns in das Prag von 1945, eine Zeit, in der Gewalt an der Tages­ord­nung steht, mit der jedoch visu­ell sen­si­bel umge­gan­gen wird – impli­zit und doch nicht ver­harm­lo­send.

Stu­die­ren­den­ju­ry Anna-Lena Smith, Moritz Wei­kert und Vik­to­ria Wal­dorf, Dia­ne Wurz­schmitt, Jörg Him­stedt und Chris­to­pher Schier © Jason Sellers/Deutsches Fern­seh­Kri­mi-Fes­ti­val

Die Serie zeich­net sich durch eine gro­ße Stim­mig­keit aus. Kos­tüm, Bild­ge­stal­tung, Geschich­te und Cha­rak­te­re ergän­zen ein­an­der und beson­ders der Ein­satz der Zwei­spra­chig­keit fällt ins Auge. Oder eben nicht; denn geschickt geben sich Deutsch und Tsche­chisch die Hand und ver­lei­hen Cha­rak­ter­be­zie­hun­gen neue Bedeu­tungs­ebe­nen.

Die Zuschau­en­den wer­den von der Viel­schich­tig­keit der Cha­rak­te­re her­aus­ge­for­dert, aus Sym­pa­thie und Abnei­gung ins grund­sätz­li­che Hin­ter­fra­gen über­zu­ge­hen. Die Rol­len der Frau­en wir­ken his­to­risch ange­passt und zeu­gen gleich­zei­tig von Stär­ke, Bestimmt­heit und Rele­vanz.“

Regis­seur Chris­to­pher Schier © Jason Sellers/Deutsches Fern­seh­Kri­mi-Fes­ti­val

Die Publi­kums­ju­ry des Wies­ba­de­ner Kuriers ent­schied sich für den „Tat­ort – Dun­kel­heit“ des Hes­si­schen Rund­funks von Regis­seur Ste­fan Schal­ler. Das Dreh­buch schrie­ben Sen­ad Halil­bašić, Ste­fan Schal­ler und Erol Yesil­ka­ya. Das Gen­re „Cold Case“ habe sie „regel­recht vom Hocker gehau­en“, so die Jury. Und wei­ter: „Der von uns aus­ge­wähl­te Film hat eine Sog­wir­kung, der man sich kaum ent­zie­hen kann. Mit beein­dru­cken­der Ruhe und gleich­zei­tig enor­mer Span­nung erzählt er einen nah­ba­ren, glaub­wür­di­gen und emo­tio­nal tief­ge­hen­den Fall.

Schau­spie­ler Sahin Ery­il­maz, Regis­seur Ste­fan Schal­ler © Jason Sellers/Deutsches Fern­seh­Kri­mi-Fes­ti­val

Was uns begeis­tert hat, sind die her­aus­ra­gen­den schau­spie­le­ri­schen Leis­tun­gen – nicht nur in den Haupt­rol­len, son­dern auch die Neben­dar­stel­ler. Im Zen­trum steht ein sym­pa­thi­sches und empa­thi­sches Ermitt­ler­team, das eine außer­ge­wöhn­li­che Glaub­wür­dig­keit ent­wi­ckelt. Der Film erzeugt Span­nung, ohne gro­ße Action­sze­nen. Über wei­te Stre­cken erin­nert er fast an ein Kam­mer­spiel und die Geschich­te hält das Publi­kum vom ers­ten bis zum letz­ten Moment in ihrem Bann.“

Nico­le Peters, Mari­na Sten­zel, Hel­la Wag­ner, Lucia Fott­ner und Nico­le Oechel­häu­ser (Publi­kums­ju­ry) mit Sahin Ery­il­maz © Jason Sellers/Deutsches Fern­seh­Kri­mi-Fes­ti­val

Der Preis für die viel­ver­spre­chends­te Stof­fidee im Dreh­buch­wett­be­werb „Tat­ort rechts­au­ßen“ ging an den Schau­spie­ler und Nach­wuchs­au­tor Aykut Kayacık für die Mini­se­rie „Wöl­fe“ über zwei ver­deck­te Ermitt­le­rin­nen, die par­al­lel die tür­ki­schen Grau­en Wöl­fe und die deut­sche Neo­na­zi-Sze­ne infil­trie­ren.

Preis­trä­ger Aykut Kayacık , Dreh­buch­wett­be­werb © Jason Sellers/Deutsches Fern­seh­Kri­mi-Fes­ti­val

Über das Festival

Das Deut­sche Fern­seh­Kri­mi-Fes­ti­val ist eine Ver­an­stal­tung des Kul­tur­am­tes der Lan­des­haupt­stadt Wies­ba­den mit Unter­stüt­zung durch die Hes­sen Film & Medi­en, den Hes­si­schen Rund­funk und die SV Spar­kas­sen­Ver­si­che­rung, in Koope­ra­ti­on mit dem Medi­en­zen­trum Wies­ba­den und dem Wies­ba­de­ner Kurier.

Mehr Infor­ma­tio­nen unter www.fernsehkrimifestival.de

Ober­bür­ger­meis­ter Gert-Uwe Men­de, Prei­se, Fes­ti­val­lei­te­rin Cath­rin Ehr­lich © Jason Sellers/Deutsches Fern­seh­Kri­mi-Fes­ti­val

Cali­ga­ri Film­Büh­ne, Jury Mit­glied Tijan Nije © Jason Sellers/DFKF

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