„Viele arbeiten längst am Limit“
Berufsbetreuer*innen sind täglich unterwegs: zu Klient*innen, zu Behörden, zu Gerichten, in Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen. Die steigenden Mobilitätskosten treffen den Berufsstand daher unmittelbar.
In vielen anderen Bereichen gibt es einen Ausgleich für gestiegene Betriebskosten. Beispiel Logistik: In Speditionsverträgen wird oft ein variabler Zuschlag vereinbart, der sich monatlich oder wöchentlich am aktuellen Dieselpreis orientiert. Auch viele Cloud-Anbieter behalten sich in ihren AGB vor, Gebühren jährlich moderat (z. B. um 3 bis 5 Prozent) anzupassen, um steigende Server- und Personalkosten zu decken.
Die Betreuervergütung bleibt weitgehend statisch – obwohl die realen Ausgaben deutlich steigen. Gerade im ländlichen Raum verschärft sich die Situation: Lange Fahrstrecken sind dort unvermeidbar. Ohne Auto ist die Arbeit faktisch nicht möglich.
BdB fordert Entlastung und Anpassung der Vergütung
Der Bundesverband der Berufsbetreuer*innen (BdB) fordert daher weitere Entlastungsmaßnahmen sowie eine strukturelle Anpassung der Vergütung.
Denkbar seien gezielte Ausgleichszahlungen oder eine Erhöhung der Vergütungspauschalen, um die gestiegenen Kosten zumindest abzufedern.
Die BdB-Bundesvorsitzende Hülya Özkan erklärt: „Viele Berufsbetreuerinnen und Berufsbetreuer arbeiten längst am finanziellen Limit. Die stark gestiegenen Benzinpreise brechen vielen buchstäblich das Genick. Wer täglich auf das Auto angewiesen ist, kann diese Kosten nicht einfach auffangen. Wenn wir nicht gegensteuern, gefährden wir die Unterstützung von hunderttausenden betreuten Menschen.“
Gefahr für die Versorgung
Zwar lindere der Tankrabatt in den kommenden zwei Monaten die Lage, doch braucht es für Berufsbetreuer*innen eine nachhaltige Lösung. Der BdB warnt: „Steigende Kosten bei gleichzeitig unzureichender Vergütung gefährden die wirtschaftliche Grundlage vieler Betreuungsbüros. Die prekären Rahmenbedingungen sorgen schon jetzt für fehlenden Nachwuchs.“ Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und steigender Betreuungsbedarfe könne sich Deutschland diesen Trend nicht leisten“, sagt Hülya Özkan.
Klare politische Verantwortung
Der Verband appelliert an die Politik, die wirtschaftliche Realität des Berufs anzuerkennen und kurzfristig zu handeln.
„Eine funktionierende rechtliche Betreuung ist eine zentrale Säule des Sozial- und Rechtsstaats. Sie sichert Selbstbestimmung, Teilhabe und Schutz für Menschen, die auf Unterstützung angewiesen sind,“ sagt Hülya Özkan.
Mehr Informationen: www.berufsbetreuung.de | LinkedIn | BdB-Vergütungskampagne

BdB-Vorsitzende Hülya Özkan © Sven Darmer