Spritpreise setzen Berufsbetreuer*innen unter Druck

Die stark gestiegenen Kraftstoffpreise bringen Berufsbetreuer*innen in ganz Deutschland zunehmend in finanzielle Bedrängnis. Besonders betroffen sind Betreuer*innen im ländlichen Raum, die täglich weite Strecken zurücklegen müssen und auf das Auto angewiesen sind. Hinzu kommt: Durch steigende CO₂-Abgaben verteuern sich Kraftstoffe strukturell weiter. Für Berufsbetreuer*innen bedeutet das eine dauerhafte Mehrbelastung – ohne entsprechende Anpassung ihrer Vergütung.

„Viele arbeiten längst am Limit“

Berufsbetreuer*innen sind täg­lich unter­wegs: zu Klient*innen, zu Behör­den, zu Gerich­ten, in Kran­ken­häu­ser und Pfle­ge­ein­rich­tun­gen. Die stei­gen­den Mobi­li­täts­kos­ten tref­fen den Berufs­stand daher unmit­tel­bar.

In vie­len ande­ren Berei­chen gibt es einen Aus­gleich für gestie­ge­ne Betriebs­kos­ten. Bei­spiel Logis­tik: In Spe­di­ti­ons­ver­trä­gen wird oft ein varia­bler Zuschlag ver­ein­bart, der sich monat­lich oder wöchent­lich am aktu­el­len Die­sel­preis ori­en­tiert. Auch vie­le Cloud-Anbie­ter behal­ten sich in ihren AGB vor, Gebüh­ren jähr­lich mode­rat (z. B. um 3 bis 5 Pro­zent) anzu­pas­sen, um stei­gen­de Ser­ver- und Per­so­nal­kos­ten zu decken.

Die Betreu­er­ver­gü­tung bleibt weit­ge­hend sta­tisch – obwohl die rea­len Aus­ga­ben deut­lich stei­gen. Gera­de im länd­li­chen Raum ver­schärft sich die Situa­ti­on: Lan­ge Fahr­stre­cken sind dort unver­meid­bar. Ohne Auto ist die Arbeit fak­tisch nicht mög­lich.

BdB fordert Entlastung und Anpassung der Vergütung

Der Bun­des­ver­band der Berufsbetreuer*innen (BdB) for­dert daher wei­te­re Ent­las­tungs­maß­nah­men sowie eine struk­tu­rel­le Anpas­sung der Ver­gü­tung.

Denk­bar sei­en geziel­te Aus­gleichs­zah­lun­gen oder eine Erhö­hung der Ver­gü­tungs­pau­scha­len, um die gestie­ge­nen Kos­ten zumin­dest abzu­fe­dern.

Die BdB-Bun­des­vor­sit­zen­de Hülya Özkan erklärt: „Vie­le Berufs­be­treue­rin­nen und Berufs­be­treu­er arbei­ten längst am finan­zi­el­len Limit. Die stark gestie­ge­nen Ben­zin­prei­se bre­chen vie­len buch­stäb­lich das Genick. Wer täg­lich auf das Auto ange­wie­sen ist, kann die­se Kos­ten nicht ein­fach auf­fan­gen. Wenn wir nicht gegen­steu­ern, gefähr­den wir die Unter­stüt­zung von hun­dert­tau­sen­den betreu­ten Men­schen.“

Gefahr für die Versorgung

Zwar lin­de­re der Tan­kra­batt in den kom­men­den zwei Mona­ten die Lage, doch braucht es für Berufsbetreuer*innen eine nach­hal­ti­ge Lösung. Der BdB warnt: „Stei­gen­de Kos­ten bei gleich­zei­tig unzu­rei­chen­der Ver­gü­tung gefähr­den die wirt­schaft­li­che Grund­la­ge vie­ler Betreu­ungs­bü­ros. Die pre­kä­ren Rah­men­be­din­gun­gen sor­gen schon jetzt für feh­len­den Nach­wuchs.“ Vor dem Hin­ter­grund des demo­gra­fi­schen Wan­dels und stei­gen­der Betreu­ungs­be­dar­fe kön­ne sich Deutsch­land die­sen Trend nicht leis­ten“, sagt Hülya Özkan.

Klare politische Verantwortung

Der Ver­band appel­liert an die Poli­tik, die wirt­schaft­li­che Rea­li­tät des Berufs anzu­er­ken­nen und kurz­fris­tig zu han­deln.

„Eine funk­tio­nie­ren­de recht­li­che Betreu­ung ist eine zen­tra­le Säu­le des Sozi­al- und Rechts­staats. Sie sichert Selbst­be­stim­mung, Teil­ha­be und Schutz für Men­schen, die auf Unter­stüt­zung ange­wie­sen sind,“ sagt Hülya Özkan.

Mehr Infor­ma­tio­nen: www.berufsbetreuung.de | Lin­ke­dIn | BdB-Ver­gü­tungs­kam­pa­gne

BdB-Vor­sit­zen­de Hülya Özkan © Sven Darm­er

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