Pressearbeit zur Ausstrahlung | NDR
Inhalt
Der Film erzählt die Ereignisse rund um den ersten Nürnberger Prozess aus der Perspektive zweier junger Auschwitz-Überlebender: Ernst Michel berichtet für die alliierte Nachrichtenagentur DANA (später dpa) über die Nürnberger Prozesse, Seweryna Szmaglewska sagt vor Gericht als Zeugin aus. Gespielt werden sie von Jonathan Berlin und Katharina Stark.



Seweryna Smzaglewska (Katharina Stark), Ernst Michel (Jonathan Berlin) © NDR/Márton Kállai
Ernst Michel
… ist mit seinen 22 Jahren nicht nur der jüngste der internationalen Reporter, die den Prozess beobachten – er ist unter ihnen auch der einzige Holocaust-Überlebende. Ernst Michel stammt aus Mannheim, wuchs in einer jüdischen Familie auf. Getrieben vom Verlangen, die Mörder seiner Eltern und seiner Freunde auf der Anklagebank zu sehen, sitzt er jeden Tag im Saal 600 des Nürnberger Justizpalastes, nur sechs Monate, nachdem er der Hölle von Auschwitz und Buchenwald entkommen ist.

Seine Berichte unterzeichnet er mit „Ernst Michel, DANA-Sonderberichterstatter, Auschwitz-Überlebender 104995“. Noch vor Urteilsverkündung emigriert er in die USA.

Ernst Michel im Interview 2005 © NDR/Zeitsprung Pictures/Spiegel TV
Seweryna Szmaglewska
… ist 29 Jahre alt und eine von nur zwei polnischen Zeugen, die vor Gericht aussagen sollen. Nach ihrer Befreiung begann sie unverzüglich, ihre Erinnerungen an die Zeit im Konzentrationslager aufzuschreiben. Ihr Buch „Dymy nad Birkenau“ („Die Frauen von Birkenau“) ist eine detaillierte Darstellung der Vorkommnisse im KZ. Die sowjetische Delegation bei den Nürnberger Prozessen macht das Buch zum Teil ihrer Anklageschrift. Bis heute ist es Pflichtlektüre an polnischen Schulen.

Autorin Seweryna Szmaglewska © NDR/Privatarchiv Jacek Wiśniewski
Ergänzt werden die Spielszenen durch neu kolorierte Originalaufnahmen der Nürnberger Prozesse sowie durch ein Interview mit Ernst Michel aus dem Jahr 2005.
Im Interview erzählt seine Tochter Lauren Shachar von ihrem 2016 verstorbenen Vater. Jacek Wiśniewski spricht über das Leben seiner 1992 verstorbenen Mutter Seweryna Szmaglewska.


Lauren Shachar im Saal 600 des Nürnberger Justizpalastes | Jacek Wiśniewski in Auschwitz-Birkenau
© NDR/Zeitsprung Pictures/Spiegel TV
In weiteren Rollen sind unter anderem Francis Fulton-Smith als Hermann Göring und Wotan Wilke Möhring als dessen Anwalt Dr. Otto Stahmer zu sehen.



Hermann Göring (Francis Fulton-Smith) in seiner Zelle, Originalaufnahme aus Saal 600 des Nürnberger Justizpalastes, Ernst Michel (Jonathan Berlin) in der Redaktion © NDR/Márton Kállai
Erfolg
„Nürnberg 45 – Im Angesicht des Bösen“ erfuhr große Aufmerksamkeit durch die Medien: Die großen Nachrichtenagenturen berichteten, Kritiken erschienen in überregionalen Leitmedien sowie in Regionalmedien und Fachdiensten – über alle Kanäle hinweg. Die Programmpresse berichtete breit, Hörzu widmete „Nürnberg 45“ einen Drei-Seiter. Das Medienecho war überwiegend positiv und wertschätzend. Die TV-Ausstrahlung am 9. November erreichte 2,628 Millionen Zuschauer und einen Marktanteil von 13,9 Prozent. Zusätzlich verzeichnete die ARD Mediathek bis 20. November rund 705.000 Abrufe.

© NDR/Márton Kállai
Produktionsinformationen
„Nürnberg 45 – Im Angesicht des Bösen“ ist eine Koproduktion der neun ARD-Landesrundfunkanstalten unter der Federführung von NDR und BR. Das Dokudrama wurde für eine jüngere Zielgruppe entwickelt. Ausführende Produzenten: Michael Souvignier und Till Derenbach (Zeitsprung Pictures), Kay Siering und Michael Kloft (Spiegel TV). Das Drehbuch schrieb Dirk Eisfeld, Regie führte Carsten Gutschmidt und die Kamera Jens Boeck. Redaktion: Marc Brasse (NDR) und Andrea Bräu (BR).



Behind the Scenes: Wotan Wilke Möhring und Francis Fulton Smith, Rony Herman und Jonathan Berlin, Jonathan Berlin und Katharina Stark
© NDR/Márton Kállai
Pressestimmen
Aachener Zeitung, Stuttgarter Zeitung | Tilmann Gangloff
Das preiswürdige Dokudrama „Nürnberg 45“ schildert die Prozesse gegen die NS-Verbrecher aus Sicht des jüdischen Auschwitz-Überlebenden Ernst Michel, der als Journalist über die Verhandlungen berichtet hat. (..) Die Spielszenen sind ohnehin ausgezeichnet umgesetzt, zumal Regisseur Carsten Gutschmidt und Kameramann Jens Boeck die Anmutung ihrer Bilder den restaurierten und kolorierten zeitgenössischen Aufnahmen angenähert haben.
BILD am Sonntag | Nico Nölken
Francis Fulton-Smith spielt einen „Reichsmarschall“ zum Fürchten, völlig ungebrochen und perfide – und historisch fundiert.
BILD | Peter Hell
„Unser Vater saß Auge mit Göring Auge in Auge“. BILD trifft die Töchter des Auschwitz-Überlebenden Ernst Michel im Saal der Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse. (…) Die Geschichte des Reporters Ernst Michel ist besonders, denn er hatte selbst den Holocaust überlebt. Tag für Tag saß er den Verantwortlichen für sein Leid, für das seiner Familie und für Millionen anderer Juden gegenüber.
DWDL | Jan Freitag
Schmerzhaft und verstörend gut (..) Wie Dirk Eisfeld und Carsten Gutschmidt sie [die Retraumatisierung der Beteiligten] abseits aller dokudramatischen Standards nachstellen, macht „Nürnberg 45“ zum sehenswerten Werkzeug, den Ursprung des Völkerstrafrechts 80 Jahre später etwas besser zu begreifen. Mehr sei ohnehin nicht möglich, meint Jonathan Berlin über einen Albtraum, der nie enden will, „man kann sich nur annähern“. Vielleicht kann dieser verstörend gute Film ja ein bisschen dabei helfen.
epd Medien | Barbara Sichtermann
Als vor ein paar Jahrzehnten das Format Dokudrama erfunden wurde, hieß es, das geht niemals gut, Archivaufnahmen, Spielszenen und Interviews – das passt nicht zusammen. Passt aber doch. Nach und nach haben Filmemacher, die dieses Genre mögen, dazugelernt, und „Nürnberg 45“ ist geradezu ein Musterbeispiel für außerordentliche Geschmeidigkeit, mit der hier die Bildstrecken aus so unterschiedlichen Quellen miteinander verschränkt werden. (..) Diese Geschichten müssen erzählt werden, immer wieder. Und wenn es so gut gelingt wie hier, ist es, als höre und sehe man sie zum ersten Mal.
Focus | Gastbeitrag von Nico Hofmann
80 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz schwindet das Wissen um den Holocaust. Deswegen ist ein Film wie „Nürnberg 45“ so wichtig. (..) Ich empfehle nachdrücklich das Dokudrama „Nürnberg 45 – Im Angesicht des Bösen“ (..)
Jüdische Allgemeine | Maria Ossowski
Unbedingt sehenswert! In diesem Dokudrama, Regie Carsten Gutschmidt, sind die Erinnerungen der Zeitzeugen und ihrer Kinder verwoben mit erstaunlich gelungenen Spielfilmszenen. Selbst die Erinnerungen an Auschwitz – KZ-Szenen sind immer besonders heikel – passen hier, weil sie die Grausamkeiten nur andeuten. Michel muss junge, gesunde Frauen in die Operationssäle von Josef Mengele führen und ihre Leichen anschließend abtransportieren. (..) Die Glaubwürdigkeit der Produktion ist zum einen den Zeitzeugen geschuldet, dem inzwischen verstorbene Ernst Michel: »Ich habe überlebt. Als Jude. Ich war ein Flüchtigkeitsfehler im System« – und seiner Tochter Lauren Shachar sowie dem Sohn der ebenfalls verstorbenen Seweryna Szmaglewska, Jacek Wisniewski. Zum anderen gelingt das Dokudrama dank der hervorragenden Schauspieler. Jonathan Berlin und Katharina Stark spielen Michel und Szmaglewska, sehr intensiv und doch zurückhaltend.
Mannheimer Morgen | Agnes Polewka
Nach anderthalb Stunden endet die Filmvorführung [in Saal 600], ein Filmgespräch soll den Abend abrunden. Karen Michel Daniels und Lauren Michel Shachar nehmen auf dem Podium Platz. Und dann wendet sich Daniels an Schauspieler Jonathan Berlin. „You did my father justice“, sagt sie. „Du hast meinem Vater Gerechtigkeit widerfahren lassen.”
Nürnberger Nachrichten | Alexander Jungkunz
Eine bewegende und lehrreiche Erinnerung an das Epochenjahr 1945 und den Versuch, die Menschheitsverbrechen der Nazis juristisch aufzuarbeiten.
Spiegel Geschichte | Christoph Gunkel
Heute, 80 Jahre nach dem Nürnberger Prozess, tobt wieder ein Krieg in Europa. Uno und Völkerrecht stehen unter Druck, in den USA regiert ein Präsident, der internationale Gremien verachtet. Rechtspopulisten verbiegen und verklären die Vergangenheit. Vor diesem Hintergrund wirkt »Nürnberg 45«, ein von Zeitsprung Pictures und SPIEGEL TV produziertes Doku-Drama, überraschend aktuell.
Tagesspiegel | Joachim Huber
Das Drehbuch von Dirk Eisfeld (..) zeigt sich getrieben von dem Anspruch, dem Dokudrama und dem Gefühlsdrama gerecht zu werden. Das Vorhaben gelingt, die fiktionalisierten Gespräche von Michel und Szmaglewska in Hotel und Gerichtssaal fügen sich in der Regie von Carsten Gutschmidt in den dokumentarischen Kontext ein. Emotionale Tiefe verbindet sich mit dokumentarischer Genauigkeit.
teleschau | Wilfried Geldner
Dass sich in Rückblenden Seweryna in einen anderen KZ-Häftling verliebt und ihm die Ehe verspricht, dass sich die beiden aus den Augen verlieren und glauben, für immer für einander verloren zu sein, hätte samt Happyend und Wiedersehen (dank des Agenturartikels über ihren Auftritt im Zeugenstand) schon für einen großen Spielfilm gereicht. Im ARD-Film – halb Doku, halb Fiktion – werden ihre Schicksale jedoch mit vielfachen Reflexionen und Erinnerungen verschnitten. Vor allem für Ernst, den Jonathan Berlin großartig zurückhaltend mit starrem, tieftraurigen Blick verkörpert, ist die Frage: „Wie konnte das Unbegreifliche geschehen?
Tittelbach.tv | Thomas Gehringer
Die Spielszenen nehmen neben Interviews und Archivmaterial einen eigenständigen, großen Raum ein und verbinden sich zumeist harmonisch mit dem dokumentarischen Material – wobei man allerdings auf Spielszenen aus dem KZ Auschwitz besser weitgehend verzichtet hätte. Dennoch beweist das Team um Autor Dirk Eisfeld und Regisseur Carsten Gutschmidt wieder einmal, dass man auch heute noch überraschend und erkenntnisstiftend über die Zeit der Naziverbrechen und ihrer Aufarbeitung erzählen kann. (…) Und im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher sagte Szmaglewska als eine von nur zwei Frauen aus. Dass „Nürnberg 45“ auf diese in Deutschland wenig bekannte Zeitzeugin aufmerksam macht, ist ein besonderes Verdienst der Produktion.
TV Digital
Präzise rekonstruiertes Zeitdokument. Interviews, Archivmaterial und Spielszenen im starken Mix.
TV Direkt
Sachlich, empathisch, präzise rekonstruiert.
TV Hören & Sehen
Erschütternd und ungeheuer eindringlich.
TV Movie
Der Mix aus echten Interviews und hervorragend inszenierten Spielszenen macht deutsche Geschichte schmerzhaft intensiv wieder lebendig – ein Top Dokudrama gegen das Vergessen.
WELT am Sonntag | Stefan Aust
Das erschütternde ARD-Dokudrama „Nürnberg 45“ macht die mörderische Vergangenheit zur Gegenwart. (..) – ein bemerkenswerter Film, der die mörderische Vergangenheit durch die Perspektive zweier damals fast noch jugendlicher Opfer schildert, die sich mit ihrer Opferrolle und ihrem knappen Überleben nicht abfinden, sondern Zeugen sein wollten und Aufklärer zugleich. Ein ebenso großartiges wie schreckliches Dokument der Zeitgeschichte, die nie zu Ende geht.
WELT | Sven Felix Kellerhoff
Nürnberg 45 – Im Angesicht des Bösen“ heißt das inhaltlich wie künstlerisch herausragende Dokudrama, mit dem die ARD an die Eröffnung des Hauptkriegsverbrecherprozesse 1945 erinnert. (…) ein herausragender Film, sowohl hinsichtlich des Drehbuches als auch der schauspielerischen Leistung und der Inszenierung.



Jonathan Berlin als Ernst Michel, Katharina Stark als Seweryna Szmaglewska und Francis Fulton Smith als Hermann Göring
© NDR/Márton Kállai