ARTE: Giorgia Meloni

Wer ist Giorgia Meloni? Ein Verständnis ihrer Person und der politischen Führungsfigur erschließt sich erst, wenn man die Anfänge ihrer Karriere betrachtet. Zu Beginn der 1990er Jahre traf die junge Aktivistin auf eine ungewöhnliche Ortsgruppe der neofaschistischen Partei „Movimento Sociale Italiano“ (MSI), genannt „Die Möwen“. Die Gruppe verhalf Giorgia Meloni zum Machtaufstieg und ist heute Teil ihres engsten Führungszirkels an der Spitze Italiens. ARTE zeigt die zweiteilige Dokumentation von Barbara Conforti am 24. Februar ab 20.15 Uhr. Ab sofort sind die Filme online verfügbar auf arte.tv - Teil 1 ist bis zum 25. März 2026 und Teil 2 bis zum 30. Mai.

Die Macht des Clans

Die Ursprünge

Der Clan der „Möwen“ („Gab­bia­ni“ auf Ita­lie­nisch) sprach über Poli­tik, Gott und die Welt. Ihr Nar­ra­tiv nähr­te sich aus der Welt J.R.R. Tol­ki­ens und aus Fil­men wie „Der Club der toten Dich­ter“ oder „Die unend­li­che Geschich­te“.

Mario Draghi über­gibt das Amt des ita­lie­ni­schen Minis­ter­prä­si­den­ten an Gior­gia Melo­ni © Lila Pro­duc­tion

Die Kor­rup­ti­ons­er­mitt­lun­gen „Mani puli­te“ in Ita­li­en 1992 mar­kier­ten einen poli­ti­schen Wen­de­punkt. „Die Möwen“ trau­ten sich an die Öffent­lich­keit – mit Erfolg. 30 Jah­re spä­ter, wur­de Gior­gia Melo­nis Par­tei „Fratel­li d’Italia“ zur stärks­ten Frak­ti­on des Lan­des. Melo­ni ist die ers­te Minis­ter­prä­si­den­tin Ita­li­ens und die ers­te Rechts­po­pu­lis­tin, die eine euro­päi­sche Demo­kra­tie regiert.

Gior­gia Melo­ni bei einer Kund­ge­bung ihrer Par­tei Fratel­li d’I­ta­lia am 2. Mai 2022 © Lila Pro­duc­tion

An der Spitze Italiens

Im Sep­tem­ber 2022 gewann Gior­gia Melo­ni mit rund 26 Pro­zent der Stim­men die Par­la­ments­wahl und über­nahm das Amt der Minis­ter­prä­si­den­tin. Innen­po­li­tisch strebt sie die kon­ser­va­ti­ve Gesell­schaft an, die sie den Ita­lie­nern im Wahl­kampf ver­spro­chen hat. So geht sie zuneh­mend gegen NGOs, Asyl­be­wer­ber und que­e­re Paa­re vor und schickt sich an, die ita­lie­ni­schen Insti­tu­tio­nen von Grund auf zu refor­mie­ren. Melo­ni ist ent­schlos­sen, die Macht der Exe­ku­ti­ve und des Minis­ter­prä­si­den­ten zu stär­ken.

Gior­gia Melo­ni in der Abge­ord­ne­ten­kam­mer des ita­lie­ni­schen Par­la­ments © Lila Pro­duc­tions

Außen­po­li­tisch setzt sie auf Sta­bi­li­tät. Sie demons­triert Nor­ma­li­sie­rung inner­halb der Euro­päi­schen Uni­on, stellt nie­mals die Zug­hö­rig­keit Ita­li­ens zur Nato infra­ge und signa­li­siert Unter­stüt­zung für die Ukrai­ne. Mit US-Prä­si­dent Donald Trump ver­bin­det sie eine lang­jäh­ri­ge Freund­schaft, mit sei­ner Wie­der­wahl bekam auch Gior­gia Melo­ni Auf­wind. Trump bezeich­ne­te sie als wich­ti­ge Ansprech­part­ne­rin in Euro­pa. Zu Trumps zwei­tem fei­er­li­chen Amts­an­tritt im Wei­ßen Haus wur­de Melo­ni als ein­zi­ges euro­päi­sches Staats­ober­haupt nach Washing­ton ein­ge­la­den.

Auch Jah­re nach ihrem Ein­zug in den Palaz­zo Chi­gi bleibt die stra­te­gi­sche Reich­wei­te ihrer Regie­rung umstrit­ten: Will sie den Rechts­po­pu­lis­mus dau­er­haft insti­tu­tio­nell ver­an­kern, oder ori­en­tiert sie sich am poli­ti­schen Modell von Vik­tor Orbán und steu­ert Ita­li­en in Rich­tung eines illi­be­ra­len Sys­tems?

Gior­gia Melo­ni und Donald Trump © Lila Pro­duc­tion

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