BdB: Vergütungsreform jetzt anpacken!

„Ich nehme den Auftrag, den wir im Koalitionsvertrag formuliert haben, sehr ernst. Erweitert durch die anschaulichen Berichte des BdB habe ich genaue Vorstellungen, wo die Probleme sind: die Vergütungssituation, eine wachsende Zahl von Betreuten und ein drohender Mangel an Betreuer*innen. Wir haben ein klares Aufgabenprofil und noch viel Arbeit vor uns.“ So resümierte der Bundestagsabgeordnete Helge Lindh (SPD) das Gespräch mit der Vorsitzenden des Bundesverbandes der Berufsbetreuer*innen (BdB) Hülya Özkan und Geschäftsführer Dr. Harald Freter.

Gespräch mit dem Bundestagsabgeordnetem Helge Lindh (SPD)

Hel­ge Lindh ist Bericht­erstat­ter sei­ner Frak­ti­on für das Betreu­ungs­recht. Grund­la­ge des Gesprächs war das Posi­ti­ons­pa­pier des BdB zur Reform der Betreu­er­ver­gü­tung und zu deren Eva­lua­ti­on.

Ziel war es, den Abge­ord­ne­ten für die For­de­run­gen nach einer nach­hal­ti­gen, leis­tungs- und ver­ant­wor­tungs­ge­rech­ten Ver­gü­tung zu gewin­nen, wie sie der Koali­ti­ons­ver­trag vor­sieht.

Eva­lua­ti­on darf nicht län­ger war­ten

Der BdB for­dert zeit­nah ein Kon­zept für die Eva­lua­ti­on, eine enge Betei­li­gung der Pra­xis bei der Erhe­bung der Daten und eine zügi­ge Ver­stän­di­gung zwi­schen Bund und Län­dern über die nächs­ten Schrit­te zur Reform. „Wir brau­chen ein Ver­gü­tungs­sys­tem, das den pro­fes­sio­nel­len Anspruch des Berufs und die hohe Ver­ant­wor­tung wider­spie­gelt – nicht eines, das den nied­rigs­ten Stan­dards genügt“, sag­te Hülya Özkan zum Posi­ti­ons­pa­pier.

BdB-Vor­sit­zen­de Hülya Özkan © Sven Darm­er

BdB for­dert ein­heit­li­che Fall­pau­scha­le

Der Ver­band schlägt eine ein­heit­li­che Fall­pau­scha­le von 426 Euro pro Klient*in und Monat vor auf Grund­la­ge eines Stun­den­sat­zes in Höhe von 86,55 Euro. Das bil­det nach unab­hän­gi­gen Berech­nun­gen den tat­säch­li­chen Auf­wand von rund fünf Stun­den pro Monat und Kli­ent ab und ent­spricht den Fach­leis­tun­gen im sozia­len Bereich.

Ver­ei­ne und Berufsbetreuer*innen unter Druck

Die BdB-Vor­sit­zen­de Hülya Özkan schil­der­te die aktu­el­le Lage: „Die Abriss­bir­ne droht nicht, sie ist da: Ver­ei­ne schlie­ßen, weil sie ihre fest ange­stell­ten und tarif­lich bezahl­ten Betreu­er nicht refi­nan­zie­ren kön­nen. Berufsbetreuer*innen gehen frü­her in Ren­te oder geben ihre Büros auf. Man­che müs­sen sogar Insol­venz anmel­den, weil etli­che Amts­ge­rich­te in Deutsch­land auch noch die Ver­gü­tungs­an­trä­ge mona­te­lang nicht beglei­chen.“

Nach­wuchs bricht weg

So lie­ße sich kaum Nach­wuchs gewin­nen, so BdB-Geschäfts­füh­rer Dr. Harald Fre­ter: „Wir haben bun­des­weit mas­si­ve Nach­wuchs­pro­ble­me. Zu weni­ge Men­schen wol­len in den Beruf gehen. Ursa­che sind die schwie­ri­gen Rah­men­be­din­gun­gen und eine Ver­gü­tung, die weder nach­hal­tig noch leis­tungs- noch ver­ant­wor­tungs­ge­recht ist.“

Hülya Özkan sag­te: „Recht­li­che Betreu­ung ist ein wun­der­ba­rer Beruf. Doch kann ich nie­man­dem mehr guten Gewis­sens emp­feh­len, ihn zu ergrei­fen. Die Rah­men­be­din­gun­gen stim­men nicht.“

BdB-Geschäfts­füh­rer Dr. Harald Fre­ter und BdB-Vor­sit­zen­de Hülya Özkan © Sven Darm­er

Infla­ti­on ver­schärft die Kri­se

Die Infla­ti­on habe die Lage ver­schärft, der Aus­gleich rei­che bei wei­tem nicht: „Zum 1.1.2026 soll es eine leich­te Erhö­hung geben. Ange­kün­digt wur­de ein Plus von 12,7 Pro­zent. Doch das wird bei vie­len Berufsbetreuer*innen nicht so ankom­men wie ver­spro­chen. In mei­nem Büro sind es nur 3,4 Pro­zent“, so Hülya Özkan, die in Bie­le­feld als selbst­stän­di­ge Berufs­be­treue­rin arbei­tet.

Gesell­schaft braucht mehr Berufsbetreuer*innen

Über­all im Land suchen die Betreu­ungs­ge­rich­te und Betreu­ungs­be­hör­den hän­de­rin­gend nach Berufsbetreuer*innen. Der Bedarf steigt. Harald Fre­ter: „Die Gesell­schaft läuft sehen­den Auges auf eine Wand zu. Immer mehr Men­schen sind auf recht­li­che Betreu­ung ange­wie­sen – vom Alter über Krank­heit bis hin zu psy­chi­schen Erkran­kun­gen und Sucht. Zugleich neh­men immer weni­ger Ange­hö­ri­ge ehren­amt­li­che Betreu­ung auf sich. Wir brau­chen drin­gend mehr Berufsbetreuer*innen.“

Poli­tik muss sich an der Pra­xis ori­en­tie­ren

Hel­ge Lindh sag­te abschlie­ßend: „Ich bin ein gro­ßer Fan davon, dass Poli­tik prag­ma­tisch vor­geht und sich an der Umset­zung von Geset­zen ori­en­tiert. Und des­halb war es ein aus­ge­spro­chen hilf­rei­ches, kon­struk­ti­ves Gespräch, da ich genau spü­ren konn­te, wo wir Hand­lungs­be­darf haben und wo wir uns viel­mehr noch an der Pra­xis gesetz­ge­be­risch ori­en­tie­ren soll­ten.“

BdB-Vor­sit­zen­de Hülya Özkan und Bun­des­tag­ab­ge­ord­ne­ter Hel­ge Lindh (SPD)  © Sven Darm­er

Mehr Infor­ma­tio­nen: www.berufsbetreuung.de | Lin­ke­dIn | BdB-Ver­gü­tungs­kam­pa­gne

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